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Bilanz einer "Krawallnacht"

Es kam, wie es kommen musste. Und nein, damit meine ich nicht die "linken Krawalle" in der "Nacht der Randale". Sondern den für den Zustand der meinungsbildenden Kräfte in Österreich symptomatischen Umstand, dass ein paar demolierte Blumenkübel mehr Anteilnahme und Aufmerksamkeit erfahren als Dutzende von wildgewordenen Polizeirotten mit Schlagstöcken und Pfefferspray misshandelte DemonstrantInnen, die für die Verteidigung der demokratischen Grundrechte auf die Straße gegangen waren, die man bei "Falter" und "Standard" bis "Presse" und "Kurier" beständig auf der Zunge führt, aber zu feige ist, irgendetwas für ihre reale Verteidigung zu tun und zu rückgratlos, sich wenigstens entschieden solidarisch mit denjenigen zu zeigen, die ihnen die Drecksarbeit abnehmen. Wie es zu erwarten war, standen die vorgefertigten "Krawall bei Akademikerball-Demo!"-Schlagzeilen der großen Medien abrufbereit, um bei der ersten Meldung über ein paar Flaschenwürfe oder eine zerbrochene Scheibe publiziert zu werden und zu überspielen, worum es in dieser Nacht wirklich ging und worüber eine Presse zu berichten hätte, die ihre verlogenen Phrasen von den hehren demokratischen und staatsbürgerlichen Rechten auch nur einen Moment Ernst nimmt.

Sie würde darüber berichten, dass es in keinem anderen Land Europas vorstellbar wäre, dass ein faschistisches Vernetzungstreffen der rechtsextremen Elite im repräsentativsten Staatsgebäude des Landes stattfindet. Sie würde darüber berichten, dass es für sogenannte "übezeugte DemokratInnen" nicht den leisesten Zweifel daran geben kann, ob sie lieber auf Seite der tanzenden FaschistInnen oder auf Seite der AntifaschistInnen, SozialistInnen und Holocaustüberlebenden stehen und diese Entscheidung nicht durch Bedenken ins Wanken gebracht würde, dass es auf linker Seite doch aber vielleicht auch ein paar "anarchistische Chaoten" gibt. Sie würde darüber berichten, dass nicht nur bei uns SozialistInnen, sondern bei jedem, der nicht in einem autoritären Obrigkeitsstaat leben will, alle Alarmglocken schrillen müssten, wenn die Polizei sich im Vorfeld der Demonstration auf dreist plakative Weise mit den FaschistInnen solidarisiert, die Pressefreiheit außer Kraft setzt, eine monströse Sperrzone einrichtet, Holocaustüberlebende vom Heldenplatz verweist, damit dort stattdessen FPÖler der Führeransprache auf dem Balkon der Hofburg gedenken, pardon - eine Kundgebung abhalten können, und 400 000 EinwohnerInnen der Hauptstadt unter verschärfte Bewachung stellt. Sie würde darüber berichten, dass die Mobilisierung von mindestens 8000 AntifaschistInnen auf den beiden Demonstrationszügen  trotz aller polizeilichen Einschüchterungsversuche und das Zusammenschrumpfen der verunsicherten Rechten auf dem Ball auf nur noch 400 BesucherInnen einen grandiosen Erfolg darstellt, der beweist, dass es in Österreich potentiell eine starke und entschlossene linke, antifaschistische und antikapitalistische Gegenöffentlichkeit gäbe, wenn sie motiviert und organisiert würde. Sie würde darüber berichten, dass nicht nur die Polizeispitze sich mit den FaschistInnen solidarisiert hat, sondern auch die Einsatzmannschaften mit ihren blindwütigen Gewaltexzessen und ihrer offensichtlichen Genugtuung, endlich Linke zusammenschlagen zu dürfen, sich als eine Art rechtsextremer Schlägertrupp in staatlichen Uniformen, als eine öffentlich bezahlte Leibgarde der FaschistInnen präsentierten. Sie würde darüber berichten, dass die FPÖ mit sadistischer Genugtuung über die Misshandlung linker DemonstrantInnen und mit gefälschten Fotos gezielt versucht, den Hass auf die Minderheit derjenigen, die in Österreich so etwas wie ein demokratisches Bewusstsein haben, weiter anzuheizen. Sie würde darüber berichten, dass sich jeder selbst disqualifiziert, der versucht, willkürliche Polizeigewalt damit zu relativieren, dass ja "aber am Graben auch Auslagen eingeworfen wurden". Sie würde darüber berichten, dass ein Polizeivertreter rücktrittsreif ist, der den maßlosen Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray als "gelindere Mittel" bezeichnet und damit was andeutet - dass man das nächste mal ja auch Maschinengewehre aufstellen kann, wenn es noch einmal jemand wagen sollte, seinen Unmut über Rechtsextreme und Holocaustleugner in der Spitze der Gesellschaft zu artikulieren?

Ja, über all das würde sie berichten, wenn es in Österreich eine demokratische Presse gäbe, die über das Stadium der ehrerbietigen Hofberichterstattung hinausgekommen wäre statt mit der Übernahme des Narrativs der FaschistInnen vom Kampf zwischen "linken Krawallmachern" und ehrlichen Ordnungshütern das Spiel der FPÖ zu spielen.
25.1.14 11:07
 
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bisher 7 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Marin Zerer (25.1.14 14:13)
Grandios verfasst.
Danke!


Agent Provocateur (25.1.14 16:18)
Der Denkfehler liegt darin, dass im Nachhinein alle so tun als wäre dieses Funktionieren der bürgerlichen Medien gänzlich unabsehbar gewesen - denn dass ein paar kaputte Scheiben den Krawallmachern von FPÖ u. Co. vollkommen reichen um die Demonstrationen zu diskreditieren sollte jedem_r Linken eigentlich klar sein, vor allem den direkt Beteiligten. Dann noch zu sagen: "Jetzt erst recht" scheint allerdings etwas verfehlt, wenn die Repression gegen gänzlich friedlich Demonstrierenden derartig unverhältnismäßig wird und die Leidtragenden dann diejenigen sind, die nicht gewalttätig werden/wurden, und die haben gestern mehrheitlich Pfefferspray u. Co. abgekriegt.


Lü (25.1.14 17:50)
Supi! Danke!


Florian Schwalsberger / Website (25.1.14 18:57)
gut auf den Punkt gebracht


Ich (25.1.14 23:09)
Blumentöpfe um 1.000.000 €uro


bernhard jenny / Website (26.1.14 00:35)
kann mich dir nu anschliessen.

http://bernhardjenny.wordpress.com/2014/01/25/repressionstraining-erfolgreich-abgeschlossen/


(26.1.14 09:46)
jawohl!

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