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Holocaust und HistoMat

Die Geschichte des dritten Reiches wird von AntimarxistInnen gerne als Argument verwendet, den historischen Materialismus zu "widerlegen": Die NS-Rassenlehre und der hitlersche Vernichtungsantisemitismus seien ja gar nicht aus rationalen ökonomischen Erwägungen erklärbar, die NSDAP habe sich ja gar nicht als Befehlsempfänger des Kapitals, sondern als durchaus eigenständige Macht verstanden, die Herrschaft der Nazis sei dem Kapital schließlich sogar heikel und gefährlich geworden usw. Nur: Außer den blödesten Stalos stellt sich ja keinE MarxistIn das dritte Reich so vor, als seien Hitler, Himmler und Co einfach bloß Marionetten des deutschen Großkapitals gewesen, die sich jede Woche bei Siemens, Krupp und Co ihre aktuellen Befehle abholten, wie sie Deutschland und Europa zu gestalten hatten. Es stimmt, dass die Nazis nicht als Marionetten des Großkapitals an die Macht gelangt sind. Unter den großen KapitalistInnen hatten vor 1933 nur ziemlich wenige sonderliche Sympathien für die NSDAP, die wenigen Parteispenden, die die NSDAP aus Industrie- und Finanzkreisen erhielt, waren unbedeutend. Die führenden Kreise des deutschen Kapitals neigten zweifellos spätestens seit Beginn der Weltwirtschaftskrise zu einem rechtsautoritären Staat, der die Macht von Gewerkschaften und Linksparteien brach, aber ihre Sympathien gingen da viel eher in Richtung DNVP oder zu einem erneuerten bonapartistischen Regime brüningscher Art, das von den traditionellen reaktionären Honoratioren des höheren Bürgertums getragen wurde und sich in die Kontinuität des wilhelminischen Staates stellte. Zurück in den Wilhelminismus mit alldeutschem Einschlag statt "nationale Revolution" entsprach sicher am ehesten den Wünschen der meisten deutschen KapitalistInnen. Die NSDAP war für die herrschende Klasse Deutschlands ein durchaus dubioser Haufen: Pöbelhaft, unkultiviert, der tatsächlichen oder imaginierten altpreußisch-monarchistischen Tradition sehr fernstehend, beunruhigend durch die regelmäßigen scheinbar sozialrevolutionären Parolen, mit denen verarmte Kleinbürger und Arbeitslose aufgepeitscht werden sollten. Sicher, Antisemit zu sein gehörte auch für einen traditionalistischen Honoratioren-Reaktionär zum guten Ton, aber das war eher so eine kulturpessimistische literarische Sache, bei der man über die "jüdische Kulturzersetzung" raunte, und natürlich war klar, dass JüdInnen nicht "in unsere Kreise" gehörten, aber das war kaum ein aktivistisches Programm für Straßenterror und Pogrom - die schwülstigen pornographischen Phantasien des "Stürmers" von fetten krummnasigen Juden, die blonde deutsche Mädchen mit großen Brüsten vergewaltigen, fand irgendein großbürgerlicher DNVP-Würdenträger zweifellos abstoßend und lächerlich.

Wenn Großkapital und traditionalistische reaktionäre Eliten vor 1933 für die NSDAP vielleicht keine Liebe empfanden, sie ab 1930/31 aber immer akzeptabler fanden, wie man in der "Harzburger Front" oder den positiven Reaktionen auf Hitlers Rede vor dem Industriellenverband in Düsseldorf 1932 sieht, dann deswegen, weil es unter ihnen genug kluge Köpfe gab, die zu begreifen begannen, dass man ihre primären Ziele - Vernichtung der kommunistischen Gefahr, Ausschaltung oder zumindest Züchtigung von Gewerkschaften und Sozialdemokratie, Disziplinierung der ArbeiterInnenschaft durch verschärfte Ausbeutung, Wiederherstellung der Fähigkeit Deutschlands zu imperialistischer Kriegführung - nicht mehr mit den exklusiven kleinen bürgerlichen Honoratiorenparteien alten Stils durchsetzen konnte, sondern nur mit einer Massenpartei, die eine große, kämpferische Basis jenseits bourgeoiser Eliten mobilisieren konnte. Und das konnte die NSDAP glänzend, mochte man über die Primitivität ihrer Methoden und Parolen auch die Nase rümpfen. Diesem hysterischen, halbverrückten österreichischen Lumpenproleten Hitler gelang ein Kunststück, das kein Hugenberg und kein Brüning jemals vollführen konnte: Durch Imitation von Stil und Ton einer revolutionären Kampfbewegung (Von der roten Fahne und den Massenaufmärschen bis zum Plakatdesign und den pseudo-antikapitalistischen Parolen hatten die Nazis die kommunistischen Parteien bewusst studiert und kopiert) Millionen verarmter und von Verarmung bedrohte KleinbürgerInnen, Arbeitslose und andere Gescheiterte zum Kampf gegen die Linke und gegen ihre wirkliche Emanzipation zu mobilisieren. Dieser pseudo-sozialrevolutionäre Ton mochte beunruhigend klingen, spätestens nach Hitlers Düsseldorfer Reder hatten weite Teile der deutschen herrschenden Klasse durchschaut, dass das Maskerade war, dass nach einer etwaigen nationalsozialistischen Machtübernahme nicht nur das kapitalistische System unangetastet bleiben würde, sondern man sich gar keine stärkere Waffe gegen ArbeiterInnenbewegung und linke Parteien ausdenken konnte.

Als dann 1933 die NSDAP an die Macht gelangte - bezeichnenderweise NICHT durch Wahlen, wie oft fälschlich behauptet wird, sondern durch einen eigenmächtigen autoritären Akt Hindenburgs, des Helden der deutschnationalen Reaktionäre, der sich entschloss, Schleicher mit seinen bedenklichen Vorstellungen von Kooperation mit der SPD und keynesianischer Wirtschaftspolitik fallenzulassen - war das deutsche Kapital zwar nicht unbedingt begeistert, konnte sich aber gut mit dieser Lösung abfinden. Freilich, ein gewisses Misstrauen blieb: Der "linke" Strasser-Flügel hatte sich zwar schon 1932 abgespalten, aber da war immer noch die "Pöbelmiliz" SA mit Röhm an der Spitze, der von einer "zweiten Revolution" sprach, von der "Abrechnung" nicht nur mit JüdInnen und KommunistInnen, sondern auch mit den Kapitalisten, der davon träumte, die Reichswehr mit ihrem altpreußisch-aristokratischen Offizierskorps zu beseitigen und durch eine nationalsozialistische Volksmiliz zu ersetzen. Bis Sommer 1934 blieb die Haltung der traditionalistischen reaktionären Eliten gegenüber dem neuen Regime ambivalent, blieb die Furcht vor einem Sieg des Röhmflügels in der Partei, wurde in Reichswehrkreisen von einem militärischen Staatsstreich gemunkelt, um die unberechenbare NSDAP durch eine traditionelle reaktionäre Honoratiorenregierung zu ersetzen. Erst im Juni 1934, als Hitler Röhm und andere "linke" SA-Führer ermorden ließ (Und bei der Gelegenheit auch gleich ein paar konservative Gegner aus früherer Zeit, darunter General Schleicher, worüber die Ehrenmänner im Offizierskorps generös hinwegsahen), schlug das Pendel um und stellte sich die herrschende Klasse bedingungslos hinter das Regime. Richard J. Evans beschreibt in seiner Geschichte des dritten Reiches, dass die "Nacht der langen Messer" im Reichswehr-Hauptquartier in ausgelassenster Stimmung bei Champagner bis tief in die Nacht gefeiert wurde, jetzt war eindeutig: "Ja, Hitler ist wirklicher UNSER Mann!".

Und doch werden Hitler und die anderen NS-Größen sich selbst sicher nicht einfach als Dienstboten des Kapitals verstanden haben. Antisemitismus, Rassenlehre, Phantasien von der utopischen "Volksgemeinschaft" - diesen ganzen Quatsch haben Hitler, Himmler und Co WIRKLICH geglaubt und als heilige Mission betrachtet. Wenn man sagt, dass Antisemitismus und Rassismus Ideologien sind, deren soziale Funktion in der Herrschaftssicherung des Kapitals besteht, dann impliziert das keinewegs Unsinn wie die Annahme, Hitler und andere Propagandisten dieser Ideologien hätten sie sich bewusst zu diesem Zweck ausgedacht. Die nahmen und nehmen ihre eigene Ideologie schon ernst, aber die interessante Frage ist ja nicht so sehr die individualpsychologische "Warum denkt sich das Individuum X krauses Zeug wie die jüdische Weltverschwörung oder den Untergang der Kultur durch Rassenmischung aus?", sondern die historische Frage "Was sind die gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen so krauses Zeug einen Millionenanhang finden und zur Staatsideologie einer Großmacht werden kann?". Beim modernen Antisemitismus, der sich den Juden nicht mehr als Gotteslästerer, sondern als unehrlichen Kapitalisten im Gegensatz zum ehrlichen arischen Kapitalisten imaginiert, lautet die Antwort darauf kurz: Weil er (Klein-)BürgerInnen und in bürgerlicher Ideologie Verhafteten die Möglichkeit gibt, gleichzeitig die offensichtlichen Übel und Dysfunktionalitäten des kapitalistischen Systems anzuerkennen, ohne darum aber das kapitalistische System und seine eigene Rolle darin infrage stellen zu müssen, denn die Wurzel des Übels ist ja darin erkannt, dass einzelne AkteurInnen, hier als "Juden" chiffriert, sich unehrlich und unanständig betragen, und wenn man diese einzelnen unehrlichen AkteurInnen ausschaltet, dann ist das an sich gute System repariert und beschert den Menschen wieder allgemeine Glückseligkeit wie in einer verschwommen phantasierten idyllischen Vergangenheit. Nehmen wir an, ein Handwerksmeister, ein kleiner oder mittelständischer Unternehmer, der von der Konkurrenz der Großunternehmen erdrückt wird und dem seine Schulden bei der Bank über den Hals wachsen, kriegt zuerst ein kommunistisches Pamphlet in die Hand. Da findet er vielleicht eine richtige ökonomische Erklärung, warum es mit ihm und seinesgleichen bergab geht, aber wie lautet die darin gezogene Schlussfolgerung daraus? Dass das Übel innerhalb des kapitalistischen Rahmens nicht kurierbar ist und man eine sozialistische Planwirtschaft aufbauen muss, in der die Marktregeln außer Kraft gesetzt sind, was für den lesenden Kleinbürger bedeutet: Die wollen mir offensichtlich meinen Laden/meine Werkstatt/meine Fabrik wegnehmen und mich zum Arbeiter machen - na, das wär ja noch schöner! Und nehmen wir an, nun kriegt er ein nationalsozialistisches Pamphlet in die Hand - da mag als Erklärung nur Unsinn drinstehen, aber Unsinn, der seiner Eitelkeit und seinem Selbstbild schmeichelt. Da liest er vom ehrlich arbeitenden, tüchtigen deutschen Handwerker und kleinen Unternehmer, der sich abrackert, was für die Allgemeinheit tut, selbstloserweise Arbeitsplätze schafft und zum Dank dafür von den perfiden Juden in den Konzernvorständen und den Bankkonsortien über den Tisch gezogen und von den jüdisch-kommunistisch-sozialdemokratisch-liberalen Medien und Parteien verhöhnt wird, und er denkt sich beim Lesen gerührt: So siehts aus - genau so einer bin ja ich! Und diese da beschriebenen raffgierigen jüdischen Banker und Aufsichtsratsmitglieder, die noch nie was Ehrliches gearbeitet haben - genau solche sind ja die, die mir das Leben sauer machen! Und die vorgeschlagene Lösung - die ganzen perfiden Banker und Aufsichtsratsmitglieder beseitigen, die Würde des deutschen Bauern, Meisters und schaffenden Unternehmers wiederherstellen - das klingt doch fabelhaft. Und diese Wirkung hat das nicht nur, wenn auch besonders stark auf den Kleinbürger, sondern auch auf den in reformistischem Geist erzogenen bessergestellten Lohnabhängigen, der immer gelernt hat, das System an sich sei gut und müsse nicht umgestürzt werden, sondern man müsse nur dessen Exzesse und individuellen Fehler korrigieren, den anständigen Kleinbetrieb gegen den seelenlosen internationalen Großkonzern verteidigen usw. usf., damit alles wieder gut wird.
Nehmen wir andererseits den in wilhelminischem Geist erzogenen bürgerlichen Spießer, den Gymnasiallehrer, den konservativen Freiberufler, den reaktionären Intellektuellen - der findet in den NS-Pamphleten über die kulturelle Verlotterung vielleicht eine etwas wüste Sprache, aber Befunde über den Sitten- und Kulturverfall durch Demokratisierung, ArbeiterInnenbewegung und Internationalismus, die ihm aus der Seele sprechen und ihm die Wiederkehr der guten alten Zeit echt deutscher Art und Sitte versprechen, wobei die "jüdische Kultur" zum Synonym von allem Modernen und Progressiven wird. Nehmen wir schließlich den Großkapitalisten, dem ein ganzes Füllhorn an wunderbaren Dingen versprochen wird: Zerstörung der linken Parteien und Gewerkschaften, volle Wiederherstellung der Betriebsdisziplin, aggressive imperialistische Politik eines wiedererstarkten Deutschland, die nicht nur einen Rüstungsboom, sondern die im ersten Weltkrieg knapp verfehlte Vorherrschaft des deutschen Kapitals über Europa erhoffen lässt, und der Antisemitismus lockt dabei nicht nur mit der Übernahme jüdischer Konkurrenzunternehmen in Deutschland, sondern auch mit der Propagierung der moralisch gerechtfertigten Hegemonie des anständigen deutschen Kapitals gegenüber dem "verjudeten" internationalen Kapital außerhalb Deutschlands. Auch für den deutschen Großkapitalisten, der sich mit den imperialen Fieberträumen der Nazis identifizierte, muss das nicht unbedingt bewusstes taktisches Kalkül gewesen sein, der kann durchaus wirklich davon überzeugt gewesen sein, dass das schöpferische, moralisch legitimierte deutsche Unternehmertum doch etwas ganz anderes und höheres sei als die skrupellose jüdische und amerikanische Profitmacherei und dass er, indem er expandiert, nicht nur seine eigene Tasche füllt, sondern eine zivilisatorische Mission erfülle. Und dann gibt es da noch die Bataillone lumpenproletarischer Desperados, die in die SA strömen und denen man den "Juden" als Synonym für die bürgerliche Gesellschaft, für die Reichen, Schönen und Privilegierten verkaufen kann, auf die sie verständlichen Hass empfinden und die man dazu bringen kann, indem sie ihre Wut und Frustration an den 5% jüdischer Bürgerlicher abreagieren, die anderen 95% Bürgerlicher in Ruhe zu lassen und sogar gegen die Linke zu verteidigen.

Für Hitler und seine Paladine waren Antisemitismus und Rassismus keine taktischen Manöver im Interesse des Kapitals, sondern Selbstzweck. Aber ihre verwirrte Ideologie konnte nur Massenanhang unten und bereitwillige Unterstützung durch das Establishment oben finden, weil die von den Nazis aus ihr gezogenen praktischen Schlussfolgerungen mit den tatsächlichen sozioökonomischen Interessen des Bürgertums übereinstimmten und bedeutenden Teilen der unteren Schichten erfolgreich suggerieren konnten, sie entsprächen auch ihrem Interesse. Nach 1934 und insbesondere in der Zeit der großen Eroberungen herrscht zwischen dem Regime und dem deutschen Großkapital völlige Harmonie: Die Gewerkschaften und Linksparteien sind zerstört, das Lohnniveau ist erfolgreich gesenkt und die Arbeitsschutzbestimmungen gelockert worden, Polizei und Geheimdienst infiltrieren jede größere Fabrik, um Protestbewegungen im Keim zu ersticken, ungehorsame ArbeiterInnen werden vom Staat ins KZ geschickt, der Rüstungsboom beschert phantastische Profite, durch die Übernahme jüdischer Konkurrenzunternehmen kann man mühelos seine Marktanteile ausbauen, bei der Annexion weiterer Länder wird der neue Markt von staatlich organisierten Konsortien deutscher Großunternehmen neu aufgeteilt, die staatlich geförderte und schließlich verpflichtende Kartellbildung ermöglicht es, die Klein- und Mittelunternehmen, die so dumm gewesen waren, den Nazis in den Sattel zu helfen, zu tausenden zu liquidieren und in die anschwellenden Imperien der deutschen Großkonzerne einzufügen. Diese quasi-Verschmelzung von Staatsapparat und Kapitalverbänden kann man sehr detailliert und anschaulich nachlesen in Franz Neumanns "Behemoth". Und, last but not least: Die SS beliefert die deutschen Konzerne mit Millionenkontingenten von SklavenarbeiterInnen aus den KZ und unterbezahlten ZwangsarbeiterInnen aus ganz Osteuropa, die die Lohnkosten der Unternehmen noch einmal dramatisch senken. Die Konzentrationslager müssen nach betriebswirtschaftlichen Kriterien arbeiten, ihre Kommandanten schwarze Zahlen durch die Vermietung von SklavInnen an Privatunternehmen vorweisen. Viele deutsche Konzerne und sogar mittlere Unternehmen bestellen bei der SS gleich ein eigenes Nebenlager, das an ihre Fabriken angebaut wird. Auf dem Höhepunkt dieses Systems wird die deutsche Wirtschaft geradezu ein Mischsystem aus modernem Kapitalismus und Sklavenwirtschaft, kein bedeutendes deutsches Unternehmen verzichtet darauf, bei der SS sein eigenes Sklavenkontingent anzufordern Ob diese SklavInnen nun "rassisch minderwertige" JüdInnen und PolInnen oder "rassisch hochwertige" SkandinavierInnen oder was auch immer gewesen wären, wird den meisten UnternehmerInnen dabei freilich egal gewesen sein..
Aber eben auf diesem Feld kommt es schließlich auch wieder zu Konflikten zwischen Regime und KapitalistInnen: Als den KZ als Arbeitslagern die großen Vernichtungslager als reine Todesfabriken folgen, als sich abzeichnet, dass bei dieser Effizienz und Geschwindigkeit der Mordmaschinerie das Reservoir an JüdInnen, Kriegsgefangenen und anderen SklavInnen bald erschöpft sein wird, da kommt es zu Protestschreiben von Unternehmern, die dieses fabelhafte System so lange wie möglich erhalten wollen und gar nicht erfreut darüber sind, dass man ihre ArbeitssklavInnen in die Gaskammer schickt - als Aschehaufen können sie ihnen keinen Profit mehr erarbeiten, und die Aussicht, wieder LohnarbeiterInnen mit richtiger Bezahlung anstellen zu müssen ist betrüblich. In Kreisen des deutschen Kapitals schien man an eine Verewigung dieses Systems gedacht zu haben, Osteuropa dauerhaft die Rolle eines Sklavenreservoirs für Deutschland zuzudenken. Als rationelle SklavenhalterInnen beginnen deutsche Unternehmer sich darüber zu sorgen, dass ihre SklavInnen bei der Behandlung durch die SS durchschnittlich nach wenigen Monaten Arbeit sterben, es kommen Überlegungen auf über planmäßige Menschenzucht und möglichst lange Ausdehnung der Lebensarbeitszeit der SklavInnen. Und zwischen Unternehmern und NS-Stellen kommt es zu Briefwechseln, die komisch wären, wenn sie keinen so grausigen Gegenstand hätten, in denen Parteistellen sich über den schnöden "Materialismus" der Unternehmer empören, die nur kleinlich auf ihren Profit schielten statt Opfer zu bringen für die große Aufgabe der Endlösung der Judenfrage. Denn, um es zu wiederholen: Die überzeugten Nazis selbst sahen ihre Ideologie eben nicht als Mittel, sondern als Zweck. Aber dieser Zweck war nur realisierbar, insofern seine Umsetzung kompatibel war mit den sozioökonomischen Zwecken des deutschen Bürgertums - nicht mehr und nicht weniger behauptet eine vernünftige materialistische Betrachtung des dritten Reiches.
20.6.16 14:35
 
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