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Ein Nachmittag in Istanbul

Der Frequenz meiner Beiträge zum Thema wird man wohl anmerken, dass bei allen Ängstlichkeiten Flugverkehr für mich schon eine faszinierende Sache ist - die einem bspw. einen Tag wie den gestrigen ermöglicht, an dem ich in Mumbai frühstücke, den Nachmittag damit verbringe, Istanbul zu durchwandern und am Abend in Wien schlafengehe.
Istanbul hat mich gestern ziemlich beeindruckt. Ich war dort ja schon, wenn ich mich richtig erinnere, vier mal, bisher immer mit Zug und Bus, allerdings das letzte mal im Sommer 2012, und es war ein frappierendes Erlebnis, wie eindrücklich sich die Stadt in diesen nicht einmal fünf Jahren weiterentwickelt und verändert hat. Da ist einmal die drastische Veränderung der Skyline (Oder eher der Skylines, denn das polyzentrische Istanbul hat ja ein halbes Dutzend über das riesige Stadtgebiet verteilter Geschäftsviertel) durch die in diesem Zeitraum gebauten hunderten neuen modernen Hochhäuser, die Istanbul mittlerweile zur hochhausreichsten Stadt Europas machen dürften. Noch eindrücklicher ist aber der kumulierte Eindruck unspektakulärerer kleinerer Bau- und Infrastrukturmaßnahmen in der ganzen Stadt. Ein Beispiel: Bei meinem ersten Türkeibesuch (Das war, glaube ich, 2009) gab es in Istanbul zwar desöfteren kleinere Supermärkte, die aber in Angebot, Präsentation und technischer Ausstattung nicht mit einem westeuropäischen Vollsortimentsupermarkt vergleichbar waren, eher ein Mittelding zwischen Tante Emma-Laden und richtigem Supermarkt bildeten. Bei meinem bisher letzten Istanbul-Aufenthalt 2012 sah ich zum ersten mal moderne, westlichem Standard entsprechende Carrefour-Vollsortimentsupermärkte, aber die waren noch selten. Als ich nun gestern stundenlang durch die Stadt spazierte, sah ich überall moderne, große Supermärkte, und zwar nicht nur von Carrefour, sondern auch anderen Ketten und jede Menge aus Westeuropa vertrauter, noch vor einigen Jahren in der Türkei aber nicht vertretener anderer Läden, Real, Rossmann, Deichmann usw. - es scheint, dass die Struktur des Einzelhandels zumindest in türkischen Großstädten innerhalb von weniger als einem Jahrzehnt völlig umgeworfen wurde und sich westlichem Standard angeglichen hat, ja man mehr und mehr dieselben Läden wie in einer deutschen oder österreichischen Fußgängerzone sieht (Das ist besonders eindrücklich, wenn man gerade aus Indien kommt, wo auch in einer großen Wirtschafts- und Finanzmetropole wie Mumbai das Aufkommen großer, moderner Vollsortimentsupermärkte gerade die ersten Schritte macht und richtige Supermärkte westlichen Stils seltene Sehenswürdigkeiten sind, zu denen man bewusst einen Ausflug planen und kilometerweit anreisen muss, wo Läden mit Selbstbedienung ganz selten sind und die Nahversorgung überwiegend aus winzigen, familiengeführten Kiosken in dürftigen Verschlägen besteht).

Ein anderes Beispiel: Bei meinem ersten Istanbulaufenthalt gab es flächendeckend gepflegte, saubere Hausfassaden eigentlich nur auf Hauptgeschäftsstraßen und in Tourigegenden, während es in den normalen Wohnvierteln eher trist und oft verwahrlost aussah. Diesmal habe ich sowas kaum gesehen, obwohl ich nicht nur in der Altstadt war, sondern auf der U-Bahnfahrt auch einmal in einer Zufallsstation in einem ganz normalen Wohnviertel ausgestiegen bin, um mir die Gegend ein bisschen anzuschauen. In den letzten Jahren müssen in Istanbul zehntausende Fassadensanierungen stattgefunden haben, die allermeisten auch ganz normalen, günstigen Beton-Mietblöcke der 50er-80er Jahre, die das Istanbuler Stadtbild so sehr prägen, haben jetzt saubere, gepflegte, modernisierte Fassaden. Die kleinteilig bebauten Seitenstraßen in der Nähe des Taksim haben sich von einem halb slumartig aussehenden Viertel in eine saubere, moderne Einkaufs- und Ausgehgegend verwandelt (Was freilich mit massiver Gentrifizierung und Vertreibung von AnwohnerInnen einherging). Auch andere Dinge wie der verbesserte, einer ärmeren deutschen Großstadt eigentlich nicht mehr nachstehende Zustand der Straßen oder die auch in normalen Wohngegenden auffallende Sauberkeit des öffentlichen Raums fielen ins Auge, wieder insbesondere nach einem Aufenthalt in Indien mit seinen katastrophal schlechten Holperstraßen und seinen wie riesige Mülldeponien aussehenden Großstädten.
Bei meinen ersten Aufenthalten dominierten in mir die Eindrücke des in Istanbul im Vergleich zu westlichen Städten Fremden. Diesmal im Gegenteil die Empfindung, wie frappierend vertraut und europäisch die Stadt (mittlerweile) wirkt, wenn man gerade aus einer tatsächlich total fremdartigen Welt wie Indien zurückkehrt. Auf der langen U-Bahnfahrt vom Flughafen in die Altstadt, bei der man recht viel zu sehen bekommt, weil zumindest diese Linie fast durchweg oberirdisch verläuft, habe ich Gegenden gesehen, die auf den ersten Blick auch ohne Weiteres im Ruhrgebiet oder in irgendeiner nordfranzösischen Industriestadt stehen könnten, und das kühle, bewölkte Wetter mit kahler Vegetation passte ebenfalls gut ins Bild. Als ich zum ersten mal in Istanbul war, empfand ich die Stadt, die ja immerhin vergleichbar groß wie die urbane Hölle Mumbai ist, schon nach ein paar Tagen als einen erdrückenden Moloch, aus dem ich lieber wieder weiterreisen wollte. Diesmal kam mir die Stadt wirklich angenehm vor, riesig, vielgestaltig und abwechslungsreich, aber ziemlich hochentwickelt, angenehm zum Flanieren und sehr sicher, mit einer Bevölkerung, die ganz und gar nicht wie das wirkt, was Erdogan und seine reaktionäre Provinzclique sich als anständige Untertanen wünscht, sondern in Kleidung und Verhalten (Küssende und schmusende junge Paare in der U-Bahn, die allermeisten jungen Frauen ohne Kopftuch und sogar ein als solches erkennbares homosexuelles Paar in einer belebten Einkaufsstraße trotz aller AKP-Sittenwächterei) nicht viel anders als die Bevölkerung irgendeiner westeuropäischen Großstadt wirkt. Nett ist auch, dass das Einkaufen in der Türkei durch die aktuelle Schwäche der Lira für ausländische Reisende gerade sehr billig ist, ich habe die Gelegenheit gleich genutzt, mir etwas Geld in Lira abzuheben und einige Einkäufe für Wien mitzunehmen.

Jedenfalls habe ich gerade große Lust, mir die bemerkenswerte Transformation Istanbuls bald mal länger anzuschauen und mal wieder dorthin zu reisen, was bei diesem Lirakurs momentan ja auch für sehr wenig Geld geht, und mit meiner halbwegs unter Kontrolle gebrachten Flugangst muss ich auch nicht mehr zwei Tage lang mit Bussen und Zügen den Balkan durchqueren, sondern kann in zwei Stunden für wenig Geld hinfliegen.

4.3.17 08:48
 
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