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Lektürenotiz: Johann Kaspar Riesbeck, "Briefe eines reisenden Franzosen über Deutschland"

Der kuenstlerisch ausgestaltete Reisebericht war eines der beliebtesten Genres in der Literatur des 18. Jahrhunderts, und oft diente er zur Darstellung gesellschaftlicher und politischer Kritik, indem der Autor das Pseudonym eines fremden Reisenden annahm, der sich ueber die empoerenden Zustaende in den von ihm durchreisten Laendern entruestet. Johann Kaspar Riesbecks 1783 unter Pseudonym erschienene "Briefe eines reisenden Franzosen ueber Deutschland", die eine Deutschlandreise durch Baden, Wuerttemberg, Bayern, Oesterreich, Preussen, Norddeutschland, das Rheinland und Holland schildern (Die so allerdings nie stattgefunden hat - Riesbeck vereint hier seine Eindruecke aus diversen frueheren Reisen mit Reiseberichten anderer Autoren) waren eines der kurz vor der franzoesischen Revolution beruehmtesten und meistgelesenen Beispiele dieser Art von Literatur in Deutschland.
Von einer fundamentalen Kritik der absolutistischen Staaten Deutschlands ist Riesbeck freilich weit entfernt. Seine Helden sind die beiden aufgeklaerten Monarchen Friedrich der Grosse in Preussen und Joseph II. in Oesterreich, und er wuenscht sich von den diversen deutschen Kleinfuersten nicht mehr als moderate Reformen im buergerlichen Sinne: Beseitigung des Einflusses besonders der katholischen Kirche (Es gibt bei Riesbeck Passagen ueber den Kontrast zwischen der Faulheit, Apathie, dem Fatalismus, der Unreinlichkeit und Unbildung der deutschen Katholiken ggue. dem Fleiss, der Tuechtigkeit, Sparsamkeit und Klugheit der Protestanten, die an Webers "protestantische Ethik" erinnern), Chancengleichheit fuer den Aufstieg begabter Buergerlicher im Staatsdienst, Einschraenkung der Steuerlasten, Ermunterung kommerzieller und industrieller Aktivitaet, umfassendes Bildungswesen usw. Das alles waren unter aufgeklaerten Autoren, so kurz vor Ausbruch der franzoesischen Revolution, die diese Welt wegfegen sollte, eigentlich schon Gemeinplaetze, an Riesbecks politischen Kommentaren ist nichts originell. Kulturhistorisch interessanter sind seine Beobachtungen ueber Kultur und Gesellschaft in den verschiedenen von ihm bereisten Gegenden, oft in ironischem, hier und da schon nach Heine und Boerne klingendem Ton. Keine erstrangige Quelle, aber ein unterhaltsames, interessantes Buch eines begabten Beobachters und Stilisten.
4.3.17 08:53
 
Letzte Einträge: Lektürenotiz: Will Durant, "Das Zeitalter des Glaubens. Eine Kulturgeschichte des Mittelalters", Lektürenotiz: Marc Frey, "Geschichte des Vietnamkriegs", Lektürenotiz: Jacques le Goff, "Das Hochmittelalter" (Fischer Weltgeschichte Band 11), Lektürenotiz: Barbara Tuchman, "Der ferne Spiegel. Das dramatische 14. Jahrhundert", Lektürenotiz: Karl Kautsky, "Die Klassengegensätze im Zeitalter der französischen Revolution", Lektürenotiz: Paul Nolte, "Hans-Ulrich Wehler. Historiker und Zeitgenosse"


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