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Lektürenotiz: Marc Frey, "Geschichte des Vietnamkriegs"

Ueber den militaerischen Verlauf des Vietnamkrieges hatte ich bisher nur ungefaehre Vorstellungen, darum habe ich mir dieses Uebersichtswerk Marc Freys zugelegt, das der Darstellung des eigentlichen militaerischen Verlaufs zwar viel Raum gibt, aber auch die politische Entwicklung des Konflikts nicht zu knapp abhandelt, von der Entstehung der kommunistischen Guerilla und ihrem Kampf gegen die franzoesische Kolonialmacht in den 40er Jahren bis zum Zusammenbruch des suedvietnamesischen Regimes 1975. Dieser mit ca. drei Millionen Toten blutigste Krieg nach 1945 mit seinem erstaunlichen Resultat, dass die vietnamesischen Guerillas bzw.spaeter die Armee des armen, unterentwickelten kleinen Nordvietnam sich nacheinander gegen zwei westliche Grossmaechte behaupten koennen, wirft die Frage auf, wie es moeglich war, dass die groesste Militaermacht der Welt staendig siegt und dabei doch den Krieg verliert. Militaerisch waren die amerikanischen Erfolge in Vietnam in der Phase massiver Truppenpraesenz1967-1970 glaenzend. Der von den Guerillas beherrschte Anteil des suedvietnamesischen Gebietes sank von 80% auf 25%. Die Verluste des Vietcong waren 15-20x so hoch wie die der Amerikaner. Das bisschen industrielle Potential Nirdvietnams war von der amerikanischen Luftoffensive muehelos vernichtet worden. Und noch 1972, als die amerikanischen Bodentruppen schon fast alle abgezogen waren, brach eine nordvietnamesische Grossoffensive allein unter dem Bombenhagel der unendlich ueberlegenen US-Luftwaffe unter ungeheuren Verlusten zusammen. Selbst die Tet-Offensive 1968 mochte ein psychologischer Schock fuer die amerikanische Oeffentlichkeit sein, militaerisch endete sie in einem voelligen Fiasko der NLF, die dabei so horrende Verluste erlitt, dass sie danach militaerisch nicht mehr ins Gewicht fiel und durch regulaere nordvietnamesische Truppen ersetzt werden musste.
Aber all diese militaerischen Triumphe versandeten wirkungslos, wenn man dabei politisch keinerlei Sympathien in der Bevoelkerung gewinnen konnte. Das zynische, kleptokratische, korrupte Saigoner Terrorregime erst Diems, dann van Thieus war in der Bevoelkerung zutiefst verhasst und wurde es immer mehr in dem Masse, wie es sich mehr und mehr als blosse amerikanische Kolonialverwaltung gerierte, konnte existieren nur durch Terror, Wahlmanipulation und vor allem die Praesenz der es schuetzenden amerikanischen Bajonette. Die wahllosen Massaker der Amerikaner an der vietnamesischen Zivilbevoelkerung, die Zerstoerung ihrer Lebensgrundlagen durch den Terror des Luftkrieges, in dessen Verlauf 9000 von 15 000 Doerfern zerstoert wurden, erzeugten einen allgemeinen und immer staerkeren Hass auf die Amerikaner und ihr mafioeses Marionettenregime in Saigon. Jeder solche amerikanische "Sieg" steigerte nur die Sehnsucht der Bevoelkerung, endlich durch die Kommunisten befreit zu werden. Mochten die Amerikaner auch die suedvietnamesische Armee mit Geld und modernen Waffen ueberhaeufen, es nuetzte nichts, wenn die Soldaten, die diese Waffen trugen, ihre Regierung hassten und nicht bereit waren, fuer siue ihr Leben zu riskieren. Bei einer Gesamtstaerke von 800 000 bis 1 Million Mann erreichte die Zahl der Deserteure in der ARVN bis zu 240 000 pro Jahr, und wo sie in Kaempfe verwickelt wurde, war die Kampfkraft der ARVN lachhaft gering und den viel primitiver ausgeruesteten Guerillas und Nordvietnamesen nicht ansatzweise gewachsen. Das Regime von Saigon war genau dort stabil, wo US-Truppen seine Autoritaet durchsetzten und sonst kaum irgendwo - als nach dem Abzug der US-Truppen dieses Regime innerhalb weniger Wochen unter dem Druck einer Offensive zahlenmaessig weit unterlegener und viel schlechter bewaffneter nordvietnamesischer Truppen zusammenbrach, wunderte das niemanden, auch nicht die USA: Kissinger hatte beim Abzug der US-Truppen 1973 die danach verbleibende Lebensdauer des Regimes auf etwa anderthalb Jahre geschaetzt, was fast genau hinkam. Die hochgeruestete ARVN loeste sich einfach auf, als ihre Soldaten bei Herannahen der Nordvietnamesen ihre Waffen wegwarfen und sich darueber freuten, nicht mehr einem so veraechtlichen Regime dienen zu muessen.
Die vietnamesische Lektion, dass es fuer das Gewinnen eines Krieges nicht reicht, militaerisch zu siegen, wenn die neugeschaffene Ordnung so verhasst ist, dass sie nach dem irgendwann unvermeidlichen Truppenabzug wieder kollabieren muss, wurde in Washington freilich nicht sehr lange verinnerlicht - Afghanistan und Irak sind in vieler Hinsicht erstaunliche Wiederholungen von Vietnam.
4.3.17 08:57
 
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