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Antifaschismus? Ja, ABER...

Wieder steht in Wien - wenn auch unter neuem Tarnnamen - das feierliche Vernetzungstreffen der faschistischen und faschistoiden Eliten Österreichs an. Und wieder haben diejenigen Teile der großen Medien und des liberalen Bürgertums, die sich immerhin dazu durchringen können, in einem rechtsextremen Festakt im repräsentativsten Gebäude des Landes so etwas wie ein Problem zu sehen, primär eine Sorge: Wird es auch keine Ausschreitungen der linken KrawalltouristInnen geben? Präventive Distanzierung von möglichen Krawallen, die noch gar nicht stattgefunden haben, kommen vor entschiedener Empörung über die Dreistigkeit der Rechten und ihre offene Unterstützung durch die Polizei. Wieder hallt es durch die Leitartikel und Kommentare von "Standard" und "Kurier" bis in unzählige Blogs und Facebookdiskussionen: Ein bisschen Protest gegen Rechts ist eh gut, aber wenn die Linken sich dabei nicht stets manierlich wie beim Sonntagsausflug benehmen, sind sie doch genauso schlimm wie die Rechten, gegen die sie demonstrieren? Nein, sind sie nicht, und solch dummes Zeug wird auch nicht weniger dumm, wenn es tausendfach wiederholt wird.

Erstens hängt die Legitimität einer politischen Bewegung oder Aktion primär von ihren Zielsetzungen und gegebenenfalls von deren Aussichten auf Realisierung ab und nicht von den Mitteln, die zu ihrer Umsetzung am geeignetsten erscheinen. Die Zielsetzung der großen Mehrheit derjenigen, die heute in der Hofburg feiern werden, besteht in einer Gesellschaft, in der der Sozialstaat beseitigt ist und in der die Ausbeutung der Mehrheit durch eine mächtige Minderheit ohne alle lästigen rechtsstaatlichen Einschränkungen abläuft, in der es heißt, zu gehorchen oder zugrundezugehen und in der MigrantInnen und Homosexuelle drangsaliert und erniedrigt werden, in der Frauen wieder entrechtet und so ziemlich alles wieder rückgängig gemacht wird, was im Lauf des 20. Jahrhunderts an gesellschafts- und sozialpolitischen Fortschritten erreicht werden konnte. Die Zielsetzung der großen Mehrheit derjenigen, die draußen stehen und gegen sie demonstrieren werden, besteht in einer solidarischen und egalitären Gesellschaft, in der sich jeder Mensch in Sicherheit, Freiheit und Würde entfalten kann und in der Ausbeutung und Herrschaft der einen über die anderen beseitigt sind.

Zweitens ist es lächerlich und geradezu obszön, angebliche "linke Gewalttätigkeit" zu einem gravierenden und beängstigenden Problem zu stilisieren in einer Zeit, in der nahezu 100% aller politisch motivierten Morde, Brandstiftungen und schweren Körperverletzungen von rechts kommen, in der Neonazis in Deutschland mutmaßlich rund 750 Menschen seit 1990 ermordet haben und die schwersten "Gewalttaten" von links darin bestehen, dass mal ein Mistkübel brennt oder ein Burschenschafter eine Ohrfeige oder einen Farbbeutel abbekommt. Wer das Problem ernsthaft nicht darin sieht, dass Rechtsextremisten in Österreich zur Elite von Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Medien gehören, sondern darin, dass diese rechtsextreme Elite auf dem Weg zur Feier ihrer selbst ein paar Beschimpfungen hören muss, ist entweder ignorant oder zynisch. Allerdings ist diese Position nicht allzu überraschend in einer Gesellschaft, in der der von Linken verursachte Brand eines Autos unvergleichlich mehr mediale Aufmerksamkeit bekommt als der von Rechten verursachte Brand eines AslywerberInnenheims, bei dem der geplante Massenmord nur durch Zufall durch rechtzeitige Flucht der BewohnerInnen vereitelt werden konnte.

Drittens grenzt es ans Komische, Rechte, die an einem Tag mal etwas Gegenwind erfahren, als arme "Opfer" tyrannischer Linker zu stilisieren, als ob die Linken machtvoll die Dominanz in diesem Land ausüben würden. Tatsächlich herrscht in Österreich eine tiefverwurzelte rechte Hegemonie und sind linke Position absolut minoritär und so marginal und ohne jede Machtbasis, dass die Proteste gegen den WKR-Ball zu den einzigen Tagen des Jahres gehören, an denen sich antifaschistischer und antikapitalistischer Protest in Österreich so medienwirksam artikulieren kann, dass die breitere Öffentlichkeit einmal von seiner Existenz Notiz nimmt. Unterstrichen wird das durch die in diesem Jahr besonders unverschämte offene Solidarisierung der Polizei mit den FaschistInnen, die Wahnvorstellungen von linker Dominanz in Österreich erst recht skurril erscheinen lässt.

Heißt das, dass es gut ist, wenn vor der Hofburg Pflastersteine und Flaschen fliegen sollten? Nein, das heißt es nicht. Aber sehr wohl, dass es mir sicher nicht den Schlaf rauben wird, wenn diejenigen, die die Speerspitze der Dehumanisierung dieser Gesellschaft bilden und deren Freunde und Vorgänger an jedem Versuch einer antidemokratischen, autoritären und inhumanen Umwälzung von rechts eifrig teilgenommen haben, an einem Tag mal verdeutlicht bekommen, dass es auch in Österreich Menschen gibt, die ihnen energischen Widerstand zu leisten bereit sind und sie sich dabei vielleicht den ein oder anderen Farbbeutel oder ein paar kräftige Beschimpfungen einfangen. Und ich denke überhaupt nicht daran, mich davon zu distanzieren, wenn es Ausschreitungen gegen diejenigen geben sollte, für die die Ausschreitung von oben gegen unten den erstrebenswerten institutionalisierten Normalzustand darstellt.

Heißt das, dass Gewalt gutzuheißen ist? Sinnlose Frage, hat in einer auf aktueller oder potentieller Gewalt aufgebauten Gesellschaft doch niemand die Wahl, ob es Gewalt geben soll oder nicht, sondern nur, von wem sie gegen wen ausgehen soll. Das bedeutet nicht, dass jedes brennende Auto ein feiernswertes Ereignis oder dass jede Schlägerei mit Burschenschaftern eine emanzipatorische Großtat darstellen, sondern Einsicht in die Tatsache, dass die Geschichte nicht von moralischen Appellen beeinflusst wird, sondern von der Fähigkeit einer Gruppe, sich zu organisieren und Druck oder Zwang auf die anderen Gruppen zur Anerkennung ihrer Interessen und ihrer Würde auszuüben.  Und wenn AntifaschistInnen den FaschistInnen wirksamen Widerstand leisten wollen, dann müssen sie sich organisieren und Druck auf sie ausüben, und je mehr Unbehagen und Bedrängung sie ihnen dabei bereiten können, umso besser. Dass das Anzetteln von Prügeleien vor versammelten JournalistInnen nicht viel Positives bewirkt - geschenkt. Aber das Ziel von Protest besteht auch nicht darin, dass diejenigen, gegen die protestiert wird, sich dabei behaglich fühlen.

Und das Demonstrieren gegen einen Ball wird etwa den Faschismus überwinden und den Sozialismus einläuten? Nein, wird es nicht, aber seit der Linken durch den Rechtsruck der Sozialdemokratie, die Implosion der traditionellen kommunistischen Parteien, die in Österreich traditionelle Apathie der Gewerkschaften und die totale Entfremdung von studentisch-akademischer Linke und Proletariat jede politische und ökonomische Machtbasis entzogen ist, durch die sie so etwas wie realen Zwang zur Durchsetzung sozialistischer Ideen ausüben könnte, sind solche medial beachteten Symbolerfolge wie die angesichts der Proteste schwindenden BesucherInnenzahlen des WKR-Balls ein wichtiges Lebenszeichen einer antifaschistischen und anitkapitalistischen Gegenöffentlichkeit und notwendig für die Motivation der antifaschistischen Kräfte, bis sie unter anderen Umständen wieder entscheidendere Kämpfe mit einer stärkeren Basis führen können. Linkes Denken und Handeln ist in Österreich so marginal, dass Tage wie der heutige notwendig sind, um die Menschen daran zu erinnern, dass es Alternativen zur herrschenden Trostlosigkeit gibt und dass die Mehrheit derjenigen, die unter diesem System leiden, etwas gegen diejenigen, die ihr Leiden bewirken, ausrichten können, wenn sie sich organisieren und handeln statt als atomisierte Zuschauer ihrer eigenen Entmündigung passiv zu folgen. Wer noch angesichts eines solchen seltenen kräftigen und für die sedierten österreichischen Verhältnisse geradezu energischen linken Lebenszeichens keine eindeutigen Worte der Solidarisierung findet, sondern nur tausend "abers", der soll auch bitte nicht mit dem Etikett des irgendwie-Linksseins kokettieren.
24.1.14 03:57
 
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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


David Engmann (31.7.14 18:05)
Ich verstehe Euch nicht, wo nehmt Ihr die Zeit her es gibt genügend andere Probleme als so ein Murks.
David 12629

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