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Die österreichische Vaterlandsliebe der PdA (Teil I)

Mit ihrem Appell für mehr linke Vaterlandsliebe ( http://www.rotes-salzburg.at/?p=513) hat die stalinistische Partei der Arbeit sich mal wieder selbst übertroffen. Die reaktionären Vorstellungen der PdA von der Nation als positivem Bezugspunkt für SozialistInnen verdienen nähere Aufmerksamkeit als ein paar flapsige Facebookbeiträge, darum kommentiere ich den Artikel mal Abschnitt für Abschnitt.

"
Der rechte Rand, der sich heute Mitte nennt, hat nunmehr leichtes Spiel. Die Berufung auf nationale Identität wird ihm wieder einmal zum willkommenen Spaltungsinstrument gegen die Arbeiterklasse und den chauvinistisch verbrämten Patriotismus macht er erneut zur Schule des Kriegsgeschreis, während seine Beschwörung der Heimat vom Mief reaktionärer Gefühlsduselei lebt."

Für Klingersberger "wird" die Berufung auf nationale Identität erst zum willkommenen Spaltungsinstrument der ArbeiterInnenklasse durch die Rechten, woraus folgt, dass sie es bisher nicht gewesen sei. Dabei ist die Spaltung der ArbeiterInnenklasse in der modernen Geschichte ihr einziger Existenzgrund! Der PdA, die sich zumindest auf dem Papier auf den Marxismus beruft, dürfte bekannt sein, dass kulturelle Phänomene Ausdruck sozioökonomischer Veränderungen sind. Was sind nun die sozioökonomischen Bedingungen, als deren Ausdruck und als Reaktion auf welche die nationalistische Ideologie erstmals entstand? Die Ausweitung der Produktivkräfte und des Handels in der frühen Neuzeit. Im Mittelalter hatte es keine Form von irgendetwas gegeben, das man ernsthaft als nationale Identität bezeichnen könnte. Aufgrund der bestehenden ökonomischen Verhältnisse konnte es auch nicht anders sein. Im Früh- und Hochmittelalter war der Handel so unentwickelt, dass jede kleine Provinz eine fast autarke wirtschaftliche Einheit darstellte und sogar zwischen den einzelnen Dörfern innerhalb einer Provinz nur sehr spärlicher Handel bestand, weil diese aufgrund des primitiven Standes ihrer Produktivkräfte alle fast dieselben paar einfachen Grundgüter herstellten. Wo es keine ökonomischen Anreize für regelmäßigen Kontakt zwischen den Regionen gibt, bleibt dieser Kontakt selten, und so kam es, dass die allermeisten mittelalterlichen Menschen niemals über den engen Umkreis ihres Heimatdorfes hinauskamen und sogar die entfernteren Bereiche ihres Sprachraums ihnen ganz fremd und unbekannt waren. Im Übrigen wäre ausgedehnter Handel über weitere Strecken auch aufgrund der ganz niedrig entwickelten Verkehrsbedingungen unmöglich gewesen, ein wenig Fernhandel gab es nur in Küstenregionen, die von dort ganz geringe Mengen von Importgütern ins Landesinnere an Adel, Klerus und ein paar wohlhabend gewordene Handwerker verkauften. Diesen ökonomischen Verhältnissen, in denen jeder kleine Landstrich weitgehend autark war, entsprachen auch die politischen Verhältnisse: Nach heutigen Begriffen winzige Fürstentümer und Ritterschaften, die die lokalen Angelegenheiten regelten und nur einen sehr lockeren größeren politischen Verband bildeten, der der Masse der Menschen so abstrakt blieb, dass niemand aus der Zugehörigkeit zu ihm eine bestimmte Identität schöpfte. Unter den mittelalterlichen Menschen Westeuropas gab es wohl eine Identifikation mit dem eigenen Dorf und dessen naher Umgebung einerseits und eine ganz vage Identifikation mit der Christenheit andererseits, aber keine nationale Identität.

Das änderte sich, als Produktivkräfte und Handel im Spätmittelalter einen enormen Aufschwung nahmen. Die Städte wuchsen und produzierten immer vielfältigere Güter, während die Verkehrsverbindungen immer besser wurden und sich ein mächtiges städtisches Bürgertum bildete, das regelmäßige Geschäftsbeziehungen über Regionen und Ländern hinweg unterhielt. Dieses interregional agierende Bürgertum entwickelte als erstes eine über ihre engere Heimatregion hinausgehende nationale Identität, und ihren ökonomischen Interessen und ihrem aus diesen hervorgehenden politischen Bewusstsein entsprach der Wunsch nach einem größeren Wirtschaftsraum mit einheitlicher Währung, einheitlichem Zoll, gut ausgebautem Straßennetz, wirksamer Polizei usw. Frankreich und England entwickelten sich ab dem Spätmittelalter langsam zu modernen Nationalstaaten, in denen der Lokaladel entmachtet wurde und eine immer stärkere Zentralisierung erfolgte. Die nationalistische Ideologie entwickelte sich als Legitimation dieser neuen effizienten Zentralstaaten. In Deutschland scheiterte der Versuch der Nationalstaatsbildung wie er von unten im großen Bauernkrieg und von oben von den Habsburgern kriegerisch unternommen wurde, nicht zuletzt, weil Deutschland ökonomisch niedriger entwickelt als Frankreich war und sein Bürgertum weder so groß noch so drängend an der Schaffung eines großen Binnenmarktes interessiert war. Aus dem verunglückten Versuch der Nationalstaatsbildung ging stattdessen eine Reihe mittelgroßer Regionalstaaten hervor, die in bescheidenerem Rahmen dasselbe Werk der Zentralisierung unternahmen. Einer dieser mittelgroßen deutschen Regionalstaaten war das habsburgische Österreich. Die Nationalstaatsbildung war die politische Emanzipation der Bourgeoisie, die den zu einem ökonomischen Anachronismus gewordenen mittelalterlichen Feudalstaat zu modernen bürgerlich-kapitalistischen Staaten umformte. Das war ein damals progressives Unternehmen. Nicht nur, weil dadurch die Entwicklung der Produktivkräfte vorangepeitscht wurde und die Gruppe der an der politischen Macht Partizipierenden anwuchs, sondern auch, weil die Bourgeoisie in diesem Moment die Interessen des Fortschritts der gesamten Gesellschaft anführte und die Geburt des bürgerlichen Nationalstaates mit allgemein demokratischen und egalitären Hoffnungen aller unterdrückten Klassen verband, die zwar nach dem Sieg der Bourgeoisie niedergeschlagen wurden, aber zur Politisierung der BäuerInnen und der sich zaghaft entwickelnden ArbeiterInnen führte und sie damit auf die modernen Klassenkämpfe gegen die nun siegreiche Bourgeoisie vorbereitete.

Aber dieser Sieg der Bourgeoisie war überall ein bedingter, primär ökonomischer und noch kaum politischer. Der absolutistische Zentralstaat, der als Vermittler zwischen niedergehendem Adel und aufsteigender Bourgeoisie zu stehen schien, hatte den Feudalstaat zwar innerlich aufgelöst, aber nicht die Herrschaft der Bourgeoisie an seine Stelle gesetzt. Die ökonomische Entwicklung ließ die zu immer schärferem politischem Bewusstsein erwachende Bourgeoisie permanent erstarken und den Adel permanent ökonomisch absinken. So kam es zu den großen bürgerlichen Revolutionen, die mit den feudalen Überresten endgültig Schluss machten - im 17. Jahrhundert in England, wo die Revolution in einem Klassenkompromiss zwischen Adel und Großbürgertum endete, die sich immer mehr vermischten, und 1789 in Frankreich, wo die Revolution unter weiter fortgeschrittenen Bedingungen mit einem vollen Sieg der Bourgeoisie und der restlosen Vernichtung der feudalen Strukturen endete. Im Zuge der französischen Revolution wurde endgültig der moderne Nationalismus als Massenbewegung geboren. Als Massenbewegung, die sich selbst als universalistisch, demokratisch und egalitär verstand und so verstanden wurde, in Wirklichkeit aber keineswegs auf die Emanzipation der gesamten Bevölkerung, sondern allein der besitzenden Klassen zielte. Das Missverständnis wurde ausgeräumt, als die kleinbürgerlich-demokratischen Jakobiner die Sache mit der Gleichheit und Brüderlichkeit etwas zu wörtlich nahmen und von den erschreckten besitzenden Klassen gestürzt wurden, die die Pöbelherrschaft dräuen sahen. In Direktorium, Konsulat und napoleonischem Kaiserreich fand die Revolution als Herrschaft der gehoben bürgerlichen Honoratioren ihre historische Erfüllung, während diese Herrschaft des gehobenen Bürgertums durch die gezielte Propagierung der nationalistischen Ideologie gesichert wurde, die dem unterdrückten und ausgebeuteten armen Teufel suggerierte, er müsse sich mit seiner Situation abfinden und den Trost annehmen, dafür ein Glied des ruhmreichsten und gefürchtetsten Imperiums der Welt zu sein, an dessen Ehre und Größe er und sein Ausbeuter einträchtig Seite an Seite arbeiten.

Die nationalistische Ideologie, die den logischen Ausdruck der Emanzipationsbestrebungen der Bourgeoisie darstellt, ist progressiv bis zur Bildung bürgerlich-kapitalistischer Nationalstaaten. Ab diesem Moment aber wird sie konservativ bis reaktionär in doppelter Hinsicht. Erstens wird sie im Inneren zu einem Instrument der Niederhaltung des Klassenkampfes, indem den Ausgebeuteten eingeredet wird, sie sollten sich durch ihre nationale Zugehörigkeit und nicht ihre Klassenzugehörigkeit definieren und sich mit dem Ausbeuter gleicher Nationalität eher solidarisieren als mit dem Ausgebeuteten anderer Nationalität. Zweitens entspricht die Größe der Nationalstaaten im Zuge der ökonomischen Weiterentwicklung bald nicht mehr der Größe der ökonomischen Einheiten. An der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert mochten Länder von der Größe Frankreichs, Spaniens oder Deutschlands noch ungefähr der Größe eines einigermaßen autarken Wirtschaftsgebietes entsprechen. Aber schon bei Gründung des deutschen Nationalstaates 1871 war das nicht mehr der Fall, das deutsche Staatsgebiet entsprach schon bei seiner Gründung durchaus nicht mehr der Größe des Wirtschaftsraumes, in dem sich die deutsche Bourgeoisie regelmäßig bewegte - das Wort von Deutschland als "verspäteter Nation" ist somit, marxistisch interpretiert, gar nicht verkehrt. Die Motivation des Nationalismus hatte darin bestanden, die politischen Grenzen mit den Grenzen eines einigermaßen einheitlichen Wirtschaftsraums in Übereinstimmung zu bringen. Für einen Staat wie das absolutistische Frankreich des 17. Jahrhunderts traf das einigermaßen zu, es konnte unter den damaligen frühkapitalistischen Verhältnissen notfalls wirtschaftlich autark werden und war damit auch politisch wirklich souverän, denn politische Souveränität kann es nicht geben ohne ökonomische Unabhängigkeit. Im viel komplexeren, global agierenden Kapitalismus des 19. Jahrhunderts waren alle europäischen Nationalstaaten bereits viel zu klein, um sich selbst genügen zu können. In diesen für die ökonomischen Bedingungen zu klein gewordenen Nationalstaaten war eine friedliche innere Weiterentwicklung nicht mehr möglich, die Bourgeoisie dieser Staaten konnte nur noch expandieren, indem sie ihre Nationalstaaten zu Kriegsmaschinen hochrüsteten, die sich riesige Protektorate und Kolonien auf der ganzen Welt unterwarfen und regelmäßig furchtbare Kriege mit ihren Konkurrenten in Europa selbst führten. Der Nationalstaat war somit eine von der historischen Entwicklung überholte, reaktionäre Einrichtung geworden, die nur durch Raub, Erpressung und Totschlag voranschreiten konnte und die Masse der ausgebeuteten eigenen Bevölkerung ruhigstellte, indem sie sie zum einen mit der nationalistischen Ideologie vergiftete, die nun keine fortschrittliche Rolle mehr erfüllen KONNTE und ihr zum anderen in Form von Sozialleistungen und verbesserten Arbeitsbedingungen einige Krümel des Raubes an schwächeren Ländern zukommen ließ. Es ist Unsinn, "bürgerlichen Nationalismus" von irgendwelchen anderen Nationalismen zu unterscheiden - Nationalismus IST die Ideologie der Bourgeoisie, war als solche progressiv in den Zeiten ihrer Emanzipation und kann nur reaktionär sein in den Zeiten ihres Verfalls.

So wie die in winzige Territorien aufgeteilte territoriale Zersplitterung des späten Mittelalters nicht mehr den ökonomischen Bedürfnissen der damals aufsteigenden bürgerlichen Klasse entsprach, so entspricht der bürgerliche Nationalstaat heute, in einer globalisierten Wirtschaft, nicht mehr den Bedürfnissen der aufsteigenden Klasse der Moderne, des Proletariats. Auch heute kann der historische Fortschritt nur vorangebracht werden, indem man die politischen und ökonomischen Grenzen wieder in Übereinstimmung bringt, und die einzige Klasse, die das vollziehen kann, ist das Proletariat, was wiederum heißt: Die Zukunft sind sozialistische Arbeiterrepubliken von mindestens kontinentaler Größe, die unbegrenzt ausdehnungsfähig sein und schließlich die ganze Menschheit vereinen müssen. Die von der PdA proklamierte Rückwendung zu politischen Einheiten, die den ökonomischen Verhältnissen des 16. Jahrhunderts entsprächen, ist schlichtweg absurd und wäre realisierbar nur durch die zurückgebliebensten und reaktionärsten Teile des provinziellen Kleinbürgertums, das an die Stelle eines kapitalistischen Großgebildes wie der EU eine völlig dysfunktionale zwergenhafte Karikatur eines Nationalstaates stellen würden, die als solcher niemals irgendeine ernsthafte Souveränität erlangen könnte und sofort zu einer vollkommen abhängigen Marionette Deutschlands würde.
Nachdem ich gleich zu Beginn etwas näher darauf eingegangen bin, woher die nationalistische Ideologie eigentlich kommt und weshalb sie heute keine fortschrittliche Rolle mehr erfüllen kann, kann es weitergehen im Text.

"Rechte Politik richtet sich immer und gänzlich, weil per definitionem, gegen die Arbeiterklasse, den Sozialismus und den historischen Fortschritt. Die ArbeiterInnen sind es aber, deren individuelles und Klassenschicksal am unmittelbarsten mit dem der eigenen Nation verbunden ist, und die sich daher dementsprechend eng mit ihr identifizieren können und müssen. Der Sozialismus ist das von der Arbeiterklasse zu erkämpfende nächste größere Wegstück des historischen Fortschritts. Und der historische Fortschritt ist humanistisch das a priori zu Wollende."

Das zeugt von einer historischen Blindheit, die nur noch wehtut. Wie oben bereits ausgeführt: Vor der Emanzipation der Bourgeoisie gab es keine "Nationen", und diese "Nationen" wurden allein von der Bourgeoisie als ideologischer Überbau ihrer ökonomischen Interessen geschaffen! Für die PdA ist die "Nation" aber offenkundig wie für den vulgärsten bürgerlichen Nationalisten einfach eine vom Himmel gefallene ewige Kategorie, die von der Bourgeoisie nicht erschaffen, sondern irgendwann listigerweise vereinnahmt wurde. Trotzdem gab es tatsächlich einmal einen Moment, in dem dieser bürgerliche Nationalismus dem Klasseninteresse der Ausgebeuteten entsprach, nämlich im Moment der Überwindung des Feudalismus durch die bürgerlich-kapitalistischen Revolutionen, die zur Politisierung und gewisser politischer Partizipationsmöglichkeiten dieser Ausgebeuteten führten und den Boden bereiteten, auf dem das moderne Proletariat als die Kraft entstehen konnte, die das Bürgertum besiegen und den von ihm gesetzten Rahmen des Nationalstaates sprengen kann. Die PdA aber will dem Proletariat nun einreden, dass es diesen von der Bourgeoisie gesetzten Rahmen keineswegs überwinden, sondern sich im Gegenteil mit ihm identifizieren soll! Noch einmal: Das Gefasel von der "Nation", die keine Naturgegebenheit, sondern ein soziales Konstrukt ist, das einmal progressiv war, heute aber tief reaktionär ist, dient keinem anderen Zweck als der Besänftigung des Klassenkampfes, indem ich dem Ausgebeuteten einrede, er sitze im selben Boot wie sein Ausbeuter, weil beide derselben Nation angehörten. Wenn Klingersberger nun meint, die Bejahung des verfaulten und ökonomisch komplett anachronistisch gewordenen Nationalgedankens sei das "humanistisch a priori zu Wollende" und die Wiederherstellung der fiktiven "Souveränität" eines Nationalstaates in den Abmessungen eines spätmittelalterlichen Herzogtums der "historische Fortschritt", ist ihm wirklich nicht mehr zu helfen.

"Das Beste für eine Nation suchend, wendet man daher den Blick von der Vergangenheit, in der man nicht fündig wird, zur Zukunft; es wollend, forciert man den Fortschritt und versucht, mit dem Kapitalismus zu brechen und sozialistische Produktions- und Gesellschaftsverhältnisse zu erkämpfen. Wahrer Patriotismus kann nicht rechts sein. Leider will sich kaum jemand darum bemühen, diese Verlogenheit des rechten Scheinpatriotismus zu entlarven, obwohl der Patriotismus „eins der tiefsten Gefühle" ist und nach progressiver Wendung ruhig auch bleiben kann."

Ganz im Gegenteil: Wahrer Patriotismus kann NUR rechts sein. Wie stellt Klingersberger sich denn bitte einen sozialistischen Nationalstaat Österreich vor? Als von der restlichen Welt isolierte Arbeiterrepublik, die sich selbst genügt? Ein Zwergstaat von acht Millionen Einwohnern, der ungefähr dem Bundesland Niedersachsen entspricht und über keine nennenswerten Rohstoffe verfügt? Ein auf sich gestellter und von der gesamten kapitalistischen Umwelt isolierter "sozialistischer" Nationalstaat Österreich müsste entweder auf das Entwicklungsniveau des Spätmittelalters zurückfallen, dessen Verhältnissen seine Größe adäquat ist, oder aber klein beigeben und wieder kapitalistisch werden, um Gnade bei seinen unabdingbaren Handelspartnern zu finden, wenn es nicht um 600 Jahre in die Vergangenheit zurückfallen will. Sozialismus in einem Land hat sich bereits in der stalinistischen Sowjetunion als eine Unmöglichkeit erwiesen, die erst zu einem degenerierten Arbeiterstaat in einem Land und dann zur brutalen kapitalistischen Restauration in einem Land führte. Und bei der stalinistischen Sowjetunion sprechen wir immerhin von einem kontinentalen Riesenreich mit mehreren hundert Millionen Einwohnern, gigantischen Rohstoffvorkommen und nach 1945 einem weiten Netz von Satellitenstaaten! Wenn das nicht ausreichend war, die ökonomischen Grundlagen eines echten Sozialismus zu schaffen, der die Menschheit weiterbringt, kann die Vorstellung eines auf sich gestellten "sozialistischen Österreich", das insgesamt weniger Einwohner als eine einzelne größere Agglomeration wie Paris oder das Ruhrgebiet aufweist, nur ein schlechter Witz sein. Der Sozialismus kann nur in einer ganzen Reihe der größten und bedeutendsten Staaten gemeinsam geschaffen werden oder gar nicht. Wohl kann diese Bewegung in einem einzelnen Land den ersten Anstoß erhalten, aber wenn sie nicht auf andere bedeutende Länder überspringt, muss sie unweigerlich degenerieren und eingehen. Der Marxismus zielt auf die Weltrevolution und nicht die Wiederherstellung der fiktiven Souveränität eines Alpen-Zwergstaates. Die ArbeiterInnen aller Länder müssen beginnen, sich als solidarisch handelnde Bundesgenossen zu begegnen und ihre Aktionen zu koordinieren - dafür müssen marxistische Organisationen ihre SympathisantInnen in konsequent internationalistischem und proletarischem Geist schulen, das nationalistische Gift bekämpfen wo sie es treffen und deutlich machen, dass die nationalstaatlichen Grenzen zwar aktuell noch eine technische Bedeutung haben, aber als den Klassenkampf hindernder Anachronismus sofort fallen und jede Relevanz verlieren müssen, sobald die SozialistInnen ihre inneren Gegner besiegt haben. Die Sorge der PdA scheint nun aber nicht zu lauten "Wie können wir möglichst bald den bürgerlichen Nationalstaat überwinden, um zum Sozialismus zu gelangen?", sondern "Wie können wir auch im Sozialismus den dann völlig sinnlos gewordenen Nationalgedanken bewahren?".

"Denn statt alles daran zu legen, die Nation, die nationale Identität, das „Wir-Gefühl" in die richtige, progressive, revolutionäre Richtung zu lenken, begnügen sich so viele mit der bequemeren abstrakten Negation alles dessen, was heutzutage als „Rechts" gilt. Zudem dient diese irreführende Überreaktion speziell bei Linken aus dem kleinbürgerlichen, studentischen und akademischen Milieu oftmals dazu, sich vom garstigen proletarischen „Mob" abzuheben und sich des eigenen, angeblich fortschrittlichen, kleinbürgerlichen Kosmopolitismus zu ergötzen."

Erstens "gilt" der Nationalismus nicht als rechts, sondern ist es tatsächlich und kann seit der Etablierung des bürgerlichen Nationalstaates auch nichts anderes mehr sein. Zweitens müsste Klingersberger noch darlegen, wie das "Wir-Gefühl", dessen einziger Zweck in der Verwischung des Klassenbewusstseins besteht, in eine progressive Richtung gelenkt werden soll, wenn der Nationalstaat, wie oben beschrieben, eine ökonomisch längst vollkommen anachronistisch gewordene Kategorie geworden ist, dessen Restauration somit logisch nur reaktionär sein kann. Humorig ist auch Klingerbergers Konfusion bei der Suche nach saftigen Beleidigungen für die vaterlandslosen Studi-Linken, die des "kleinbürgerlichen Kosmopolitismus" (sic!) geziehen werden. Also, Klingersberger: Nichts gegen Studi-Schlechtmacherei, aber man könnte vorher schon einen Moment nachdenken und erkennen, dass innerhalb der Bourgeoisie logischerweise das weltweit agierende Großkapital "kosmopolitisch" denkt und das in provinziellen Verhältnissen verhaftete Kleinbürgertum gerade das Gegenteil ist, nämlich engstirnig nationalistisch. Der miefig provinzielle Kleinbürger ist der typische AfD-Wähler, und dem schmiert ihr von der PdA gerade Honig ums Maul, indem ihr ihm versichert, dass seine rückwärtsgewandte nationalistische Nostalgie den "historischen Fortschritt" darstelle.

"Es gilt zu verstehen, dass die nationale Ebene zwar fraglos nur eine von mehreren Ebenen und Kampffeldern ist, jedoch aus historischen Gründen eine ausgezeichnet wichtige; dass Patriotismus nichts mit der Abwertung anderer Länder und Völker zu tun haben muss und in heutiger Zeit, in der die ökonomischen Voraussetzungen für Solidarität statt Konkurrenz gegeben sind, konsequent gedacht auch nichts mehr damit zu tun haben kann; dass aus dem „Wir-Gefühl" nationaler Identität nicht nur chauvinistischer Nationalismus, sondern auch Solidarität samt Internationalismus sprießen können, wenn es entsprechend beackert wird."

Also was denn jetzt? Sprechen die ökonomischen Voraussetzungen nun für eine globale oder eine provinziell regionale Organisation der Wirtschaft? Wenn sie für eine globale Organisation und internationale Solidarität zu deren Erlangung sprechen, kann ich nicht für die Restauration des dann offenkundig ganz widersinnigen Nationalstaates plädieren. Ohne Nationalstaat muss aber auch das mit diesem als Überbauphänomen einhergehende nationale "Wir-Gefühl" absterben, und je eher desto besser. Oder plädiert Klingersberger dafür, dass man eine Ideologie, der keine ökonomische und politische Grundlage mehr entspricht, als Selbstzweck künstlich am Leben erhalten soll, und wenn ja, wie soll man das begründen?
Und zu den Phrasen davon, dass der Patriotismus nichts mit der Abwertung anderer Länder und Völker zu tun haben muss: Doch, natürlich muss er das. Identität kann sich immer nur in Abgrenzung von etwas anderem bilden. Ein Klassenbewusstsein als Proletarier kann ich nur haben, indem ich mich von den KapitalistInnen oder einer anderen Klasse abgrenzen, und dementsprechend kann es in der klassenlosen Gesellschaft des vollentfalteten Kommunismus am Ende auch kein proletarisches Klassenbewusstsein mehr geben. Das proletarische Klassenbewusstsein ist eine temporär notwendige Erscheinung, um das Bewusstsein der Gegnerschaft zu den ausbeutenden Klassen zu schärfen und einen Zustand zu erkämpfen, in dem dieses proletarische Klassenbewusstsein sich selbst erübrigt, weil es keine AusbeuterInnen mehr gibt. Ebenso kann nationale Identität natürlich nur in Abgrenzung von anderen Nationalitäten entstehen, und natürlich führt eine solche Identität in mehr oder weniger großem Ausmaß notwendig zu einer Entsolidarisierung mit meinen KlassengenossInnen anderer Nationalität und zu einer Annäherung an meine AusbeuterInnen gleicher Nationalität. Wie der Nationalismus denn auch nach dem Sieg des bürgerlichen Nationalstaates ganz folgerichtig historisch ausschließlich als Instrument verwendet wurde, die eigene Bevölkerung dafür bereit zu machen, die Klassenkonflikte zu vergessen um stattdessen andere Nationen anzufallen und auszurauben, um die eigene Nation auf deren Kosten zu erheben. Und ebenfalls ganz folgerichtig griffen die realsozialistischen Staaten zur Propagierung der nationalen Identität erst im Stadium voller Degeneration, als bereits die Keime der kapitalistischen Restauration gelegt wurden.

10.12.14 17:13
 
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