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"Dann bist du vielleicht einfach nur scheiße!"

In den sozialen Medien zirkuliert momentan unter Linken ein Bild, das den Comedian Louis C.K. zeigt, der meint: "Selbstverständlich klauen dir Ausländer deinen Job! Aber wenn dir jemand ohne Geld, Kontakte und Sprachkenntnisse deinen Job wegnehmen kann, bist du vielleicht einfach nur scheiße!" Das soll, wenn auch mit humoristischem Ton, offensichtlich ein Argument gegen RassistInnen sein. Aber sehen wir uns mal an, was dieser Spruch denn eigentlich impliziert:

a.) Ob jemand "scheiße" ist, hängt also davon ab, ob er hohe "Qualifikationen" für die kapitalistische Konkurrenz um Lohnarbeit aufweist. Das heißt erstens, dass Arbeitslose eben "scheiße" sind und offensichtlich kein anderes Schicksal verdient haben. Zweitens wird dabei die Frage nach der Legitimität von Rassismus zu einer rein statistischen Frage: Wenn eine statistische Erhebung zeigen sollte, dass die Mehrheit der MigrantInnen keinen beruflichen Erfolg hat, also die meisten MigrantInnen "scheiße" sind, wäre demnach an Rassismus nichts mehr auszusetzen. MigrantInnen soll man nicht deswegen nicht diskriminieren, weil sie Menschen sind, sondern weil sie in der kapitalistischen Lohnarbeitskonkurrenz qualifizierter seien als die sie diskriminierenden RassistInnen - was dann eben bedeutet, dass man dem Rassisten eigentlich nichts mehr zu entgegnen hat, wenn er statistisch nachweist, dass das gar nicht stimmt.

b.) "RassistIn" wird hier implizit gleichgesetzt mit "ökonomisch gescheiterter, frustrierter Angehöriger von Proletariat und Subproletariat", Rassismus sei also Sache des armen Pöbels. Das ist zunächst einmal einfach empirisch unwahr. Parteien und politische Organisationen, die Rassismus zu ihrem primären Programmpunkt gemacht haben, waren in Proletariat und Subproletariat immer weitaus weniger erfolgreich als im (Klein)Bürgertum. Der moderne Rassismus ist im Wesentlichen eine von bildungsbürgerlichen Intellektuellen konzipierte Ideologie mit kleinbürgerlicher Massenbasis, das jüngste Beispiel dafür ist in Deutschland die Pegida-Bewegung mit ihrer fast durchweg (klein)bürgerlichen, eher über- als unterdurchschnittlich wohlhabenden Basis. Zweitens wird dabei nicht nur nicht thematisiert, dass der Rassismus zwar einen Teil der ökonomisch Gescheiterten einfangen kann, aber GEGEN deren Interessen die Interessen der herrschenden Klasse befördert, sondern im Gegenteil suggeriert, dass die von Teilen der herrschenden Klasse geschürte rassistische Ideologie sachlich zutreffend sei und MigrantInnen WIRKLICH den Lebensstandard der ökonomisch Gescheiterten bedrohende GegnerInnen seien!

c.) Es wird suggeriert, der Rassismus würde abflauen, wenn MigrantInnen ökonomisch NICHT erfolgreich sind und damit Neidgründe entfielen. Aber das Gegenteil ist wahr: Die häufigsten rassistischen Ressentiments gehen auf die Annahme zurück, MigrantInnen würden gar nicht arbeiten wollen und sich vom Staat ernähren lassen. Wie denn auch dem afrikanischen oder syrischen Asylsuchenden, der gar nicht arbeiten darf und somit auch für niemanden in Deutschland einen Arbeitsplatzkonkurrenten darstellen kann, viel mehr Hass und Alltagswiderwärtigkeiten entgegenschlagen als einem migrantischen Aufsichtsrat im Vorsitz der Deutschen Bank.

Kurz: Das ist eine Rassismuskritik, die im Grunde die Prämissen des modernen Rassismus selbst übernimmt - oder vielleicht einfach nur scheiße.

23.6.15 12:48
 
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