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Lektürenotiz: Töpfer/Köller, "Frankreich - ein historischer Abriss"

Im DDR-Verlag der Wissenschaften wurde 1969 diese - später vom DKP-nahen Pahl Rugenstein-Verlag wiederaufgelegte - Skizze der französischen Geschichte veröffentlicht, die auf etwa 700 Seiten einen Abriss der historischen Entwicklung Frankreichs vom Frühmittelalter bis in die 1960er Jahre aus historisch-materialistischer Perspektive zu geben versucht. Stil und Niveau der Darstellung sind in ihren zwei Teilen allerdings extrem verschieden. Der erste Teil bis zur französischen Revolution stammt von Bernhard Töpfer, einem bedeutenden DDR-Mediävisten, der auf hohem Niveau einen vorzüglichen Überblick über die wirtschaftliche, soziale, politische und kulturelle Entwicklung des feudalen Frankreich gibt, das dafür als klassisches Land des "reinsten" und am frühesten ausgeprägten Feudalismus ja auch ein besonders interessantes Beispiel ist. Die Ausführungen zur Entwicklung von Philosophie und Theologie in den verschiedenen Stadien der feudalen Entwicklung sind zwar sehr knapp, aber eine interessante Ergänzung zu den sozio-ökonomischen und politischen Passagen, die die innere Logik des Feudalsystems und seine Degeneration gut begreiflich machen.

Der zweite Teil von Heinz Köller, der das moderne Frankreich von der Revolution bis Mitte des 20. Jahrhunderts behandelt, fällt dagegen drastisch ab, trägt nicht mehr den Charakter eines ernsten Sachbuchs, sondern wird zu einer ziemlich flachen Agitationsschrift. Nichts gegen historisch argumentierende Agitationsschriften - aber wenn sie nur aus nachgebeteten stalinistischen Phrasen und Beschimpfungen missliebiger Individuen und Gruppen bestehen statt einer ernsthaften Analyse ihres Handelns, wird das auf mehreren hundert Seiten doch sehr redundant und nervtötend. Das ist eben generell die Crux mit der Geschichtsschreibung der stalinistischen Staaten: Meistens großartig bzgl. vormoderner Epochen und immer unseriöser und flacher, je näher es an die Gegenwart der AutorInnen geht. Stalinistische Geschichtswerke, die die Zeit ab den 1920er Jahren behandeln, sind meistens nur noch ziemlich schwer erträglich, wobei man nicht weiß, ob man sich mehr über die methodischen Schwächen oder die kruden, von der Parteilinie vorgeschriebenen politischen Urteile ärgern soll, bspw. hier bei Köller die kritiklose Beweihräucherung von Thorez und der Volksfront im Frankreich der 1930er Jahre trotz ihres totalen Scheiterns.

Empfehlung an Leute, denen das Buch mal antiquarisch in die Hände fallen sollte: Den ersten Teil von Töpfer mit Gewinn lesen, sich den zweiten Teil von Köller schenken.

5.10.15 15:38
 
Letzte Einträge: Lektürenotiz: Will Durant, "Das Zeitalter des Glaubens. Eine Kulturgeschichte des Mittelalters", Lektürenotiz: Marc Frey, "Geschichte des Vietnamkriegs", Lektürenotiz: Jacques le Goff, "Das Hochmittelalter" (Fischer Weltgeschichte Band 11), Lektürenotiz: Barbara Tuchman, "Der ferne Spiegel. Das dramatische 14. Jahrhundert", Lektürenotiz: Karl Kautsky, "Die Klassengegensätze im Zeitalter der französischen Revolution", Lektürenotiz: Paul Nolte, "Hans-Ulrich Wehler. Historiker und Zeitgenosse"


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