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Chomsky und der Sozialismus der BRD

Noam Chomsky, der oft sehr Interessantes zu Wissenschaftstheorie und Sprachwissenschaft zu sagen hat, liefert in politischen Analysen meistens kaum mehr als moralisierende Empörung über die Schlechtigkeit der neoliberalen Welt und oft einfach völlige Dummheiten. Da hat bspw. neulich die SZ ein Interview mit ihm geführt, in dem Folgendes zu lesen ist:

"SZ: Die sozialistische Staatswirtschaft, die Sie vorschlagen, ist doch schon ausprobiert worden, zum Beispiel in der DDR - mit desaströsem Ergebnis.

Chomsky: Was in der DDR passierte, hatte nicht im Entferntesten etwas mit Sozialismus zu tun. Die DDR war ein totalitärer Staat, in dem die Arbeitnehmer keine Rechte und die Öffentlichkeit keine Einflussmöglichkeit hatten. Sogar die Bundesrepublik war sozialistischer als die DDR. Dort gab es wenigstens ein Mindestmaß an Arbeitnehmermitbestimmung."

Die DDR war kein sozialistischer Staat, das ist richtig. "Planwirtschaft" und "Sozialismus" sind keine Synonyme. Zum Sozialismus wird ein planwirtschaftliches Systems erst dann, wenn es für die Bedürfnisbefriedigung der Massen produziert (Wohingegen bspw. auch imperialistische Staaten in schweren Kriegen starke planwirtschaftliche Züge zur forcierten Kriegsproduktion entwickeln können, die aber offensichtlich nichts mit Sozialismus am Hut hat) und wenn die Massen demokratisch in Räten selbst entscheiden, was, in welcher Menge und auf welche Weise sie gern produzieren und unter sich verteilen wollen. In der DDR wie den anderen stalinistischen Staaten hatten die ArbeiterInnen im Betrieb nichts zu melden und produzierten das, was eine privilegierte Bürokratenkaste ihnen autoritär befahl und auf die Art, die von ihnen angeordnet wurde. Ein degenerierter ArbeiterInnenstaat wie die DDR oder ihre Schutzmacht, die stalinistische Sowjetunion, sind nicht das, was ich mir unter einem "Sozialismus" vorstelle, den ich anstreben würde. Aber: Es ist auch Unsinn zu behaupten, die DDR habe "nicht im Entferntesten etwas mit Sozialismus zu tun" gehabt oder gar, der kapitalistische NS-Nachfolgestaat BRD sei "sozialistischer" gewesen, weil es dort mehr ArbeitnehmerInnenmitbestimmung am Arbeitsplatz gegeben habe. Die DDR wie die anderen stalinistischen Staaten haben durch die Enteignung der Bourgeoisie und den Aufbau einer Planwirtschaft, in der das Privateigentum an Produktionsmitteln aufgehoben war, die ökonomischen Grundlagen für eine sozialistische Gesellschaft gelegt. Dass aus diesen ökonomischen Grundlagen keine sozialistische Gesellschaft wurde, ist Resultat der damit einhergehenden politischen Degeneration und der Aufrichtung einer die Massen entmündigenden autoritären Bürokratenherrschaft über diese Planwirtschaft. Aber in den stalinistischen Staaten hätte eine rein POLITISCHE Revolution, die die Bürokratie beseitigt und ArbeiterInnendemokratie geschaffen hätte, sehr schnell zu einer voll sozialistischen Gesellschaftsordnung übergehen können, wohingegen dafür in der BRD noch jede Grundlage fehlte und erst mühsam hätte geschaffen werden können. Die DDR mit ihrem verkrüppelten Halbsozialismus hat es schon lange vor 1989 verkackt und ihr Untergang war erwartbar - und trotzdem ist das, was 1989/90 passierte, eine Konterrevolution, die nicht die Grundlagen eines aussichtsreicheren sozialistischen Versuches schuf, sondern durch die volle kapitalistische Restauration die Uhren in Ostdeutschland wieder auf vor 1945 zurückdrehte. Man muss sich die DDR nicht zurückwünschen, damit einem beim Gedanken an den Sieg der BRD übel wird.

27.10.16 17:19
 
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